Neue Ausstellung in Alter Mädchenschule
Symbolischer Bogen von Textilien
„Es ist unser Bestreben, dass wir immer wieder andere Kunstrichtungen hier ausstellen wollen“, betonte Hiltrud von der Heyde, Vorsitzende von KURIOS, dem Kulturring Ostercappeln, die zur neuen Ausstellung „Frauensache“ in der Alten Mädchenschule Ostercappeln die Besucher begrüßte.
„Es ist unser Bestreben, dass wir immer wieder andere Kunstrichtungen hier ausstellen wollen“, betonte Hiltrud von der Heyde, Vorsitzende von KURIOS, dem Kulturring Ostercappeln, die zur neuen Ausstellung „Frauensache“ in der Alten Mädchenschule Ostercappeln die Besucher begrüßte.
Ostercappeln. Die erste Werkausstellung von Famos-Fadenmanufaktur Ostercappeln widme sich der textilen Kunst. Der Titel sei ursprünglich „Frauensache“ ohne n, „und durch ein Versehen wurde daraus Frauensachen“, erläuterte Dr. Elisabeth Mardorf, die humorvoll und mit Charme in die Ausstellung einführte.
Frauensache klinge stark, eigenständig, selbstbewusst.
„Etwas ist Frauensache heißt“, so Mardorf, „es wird respektiert, dass bei einer Sache ureigene weibliche Fähigkeiten gefragt sind, weibliche Kompetenz.“
Frauensachen hätten dagegen für sie eher den Beigeschmack von „Weiberkram“. Mardorf: „Frauensachen, das sind Schürzen, Büstenhalter, verschämt versteckte Binden und Tampons, geflüsterte Gespräche über Schwangerschaft und Abtreibung.“
Diese kleine, aber sehr feine Ausstellung zeige einen konzentrierten symbolischen Bogen von Textilien, von weiblicher Hand geschaffen. In den Zeitfenstern wurden zunächst weiße Monogramme aus originalen alten Aussteuerstücken verarbeitet. „Zu 99 Prozent aus Ostercappeln“, warf Hiltrud von der Heyde spontan ein.
Ausstellung "Frauensachen", Alte Mädchenschule Ostercappeln
„Weißstickerei symbolisierte die Jungfräulichkeit, und weiße Monogramme, die auf die Aussteuerteile gestickt wurden, beinhalteten die Anfangsbuchstaben des Mädchennamens, also des noch jungfräulichen Namens“, veranschaulichte die Bad Essenerin.
Rote oder bunte Stickereien, soweit sie es verfolgen konnte, seien hauptsächlich im 19. Jahrhundert in katholischen Gegenden vorgekommen.
„Rot symbolisiert Selbstbewusstsein, Lebensfreude, sagt symbolisch: Schaut her“, stellte Mardorf heraus. In den Zeitfenster-Bildern würden die alten Arbeiten wieder transparent, „ermöglichen einen Rückblick in die Vergangenheit und auch einen Durchblick nach draußen, vermitteln also zwischen verschiedenen Zeitebenen“, so die Rednerin. Zum Thema Monogramme gebe es eine weitere interessante Arbeit, nicht in unschuldigem Weiß, sondern in erwachsenem, distanziertem, würdigem Schwarz.
Zwei weitere Arbeiten - Korsett - Mieder - würden die Zartheit des weiblichen Körpers aufgreifen, jedoch in einer sehr selbstbewussten erotischen Weise: Abformungen des weiblichen Körpers, sozusagen direkt auf der Haut, lockend und Grenzen überschreitend. In dem wunderbaren Textilkunstwerk namens „Spitzfindigkeiten“ würden erneut die immense Erotik der weiblichen Figur und ihre Umhüllung gewürdigt.
„Starke rote Farbe, spitze und weiche runde Formen, angenehm rundliche Polster und zielstrebige Stärke, und das alles noch vervielfältigt. Das ist selbstbestimmte Weiblichkeit, die sich selbstbewusst präsentiert und nicht abschrecken, sondern locken will“, unterstrich Dr. Mardorf, die bat, diese Formen nicht anzufassen. „Dafür wurden unschuldige weiße Handschuhe bereitgelegt.“
Die Ausstellung in der Alten Mädchenschule kann bis zum 5. September täglich (außer montags) von 15 bis 17 Uhr besucht werden.
Von Christa Bechtel (Text und Bilder)
Auszug aus
Wittlager Kreisblatt, Ausgabe vom 10. Juni 2010, Seite 19, Ressort Lokales
Frauensache klinge stark, eigenständig, selbstbewusst.
„Etwas ist Frauensache heißt“, so Mardorf, „es wird respektiert, dass bei einer Sache ureigene weibliche Fähigkeiten gefragt sind, weibliche Kompetenz.“
Frauensachen hätten dagegen für sie eher den Beigeschmack von „Weiberkram“. Mardorf: „Frauensachen, das sind Schürzen, Büstenhalter, verschämt versteckte Binden und Tampons, geflüsterte Gespräche über Schwangerschaft und Abtreibung.“
Diese kleine, aber sehr feine Ausstellung zeige einen konzentrierten symbolischen Bogen von Textilien, von weiblicher Hand geschaffen. In den Zeitfenstern wurden zunächst weiße Monogramme aus originalen alten Aussteuerstücken verarbeitet. „Zu 99 Prozent aus Ostercappeln“, warf Hiltrud von der Heyde spontan ein.
Ausstellung "Frauensachen", Alte Mädchenschule Ostercappeln
„Weißstickerei symbolisierte die Jungfräulichkeit, und weiße Monogramme, die auf die Aussteuerteile gestickt wurden, beinhalteten die Anfangsbuchstaben des Mädchennamens, also des noch jungfräulichen Namens“, veranschaulichte die Bad Essenerin.
Rote oder bunte Stickereien, soweit sie es verfolgen konnte, seien hauptsächlich im 19. Jahrhundert in katholischen Gegenden vorgekommen.
„Rot symbolisiert Selbstbewusstsein, Lebensfreude, sagt symbolisch: Schaut her“, stellte Mardorf heraus. In den Zeitfenster-Bildern würden die alten Arbeiten wieder transparent, „ermöglichen einen Rückblick in die Vergangenheit und auch einen Durchblick nach draußen, vermitteln also zwischen verschiedenen Zeitebenen“, so die Rednerin. Zum Thema Monogramme gebe es eine weitere interessante Arbeit, nicht in unschuldigem Weiß, sondern in erwachsenem, distanziertem, würdigem Schwarz.
Zwei weitere Arbeiten - Korsett - Mieder - würden die Zartheit des weiblichen Körpers aufgreifen, jedoch in einer sehr selbstbewussten erotischen Weise: Abformungen des weiblichen Körpers, sozusagen direkt auf der Haut, lockend und Grenzen überschreitend. In dem wunderbaren Textilkunstwerk namens „Spitzfindigkeiten“ würden erneut die immense Erotik der weiblichen Figur und ihre Umhüllung gewürdigt.
„Starke rote Farbe, spitze und weiche runde Formen, angenehm rundliche Polster und zielstrebige Stärke, und das alles noch vervielfältigt. Das ist selbstbestimmte Weiblichkeit, die sich selbstbewusst präsentiert und nicht abschrecken, sondern locken will“, unterstrich Dr. Mardorf, die bat, diese Formen nicht anzufassen. „Dafür wurden unschuldige weiße Handschuhe bereitgelegt.“
Die Ausstellung in der Alten Mädchenschule kann bis zum 5. September täglich (außer montags) von 15 bis 17 Uhr besucht werden.
Von Christa Bechtel (Text und Bilder)
Auszug aus
Wittlager Kreisblatt, Ausgabe vom 10. Juni 2010, Seite 19, Ressort Lokales











