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Spes Viva - Aktion Trauerland

Klein, allein und sprachlos
Kinder und Jugendliche sollen künftig Hilfe im „Trauerland“ erhalten, so Bürgermeister Rainer Ellermann, stellv. Vorsitzender der christlich-humanen Sterbebegleitung im Krankenhaus SPES VIVA.



Von Stefan Alberti Osnabrück/Belm.
„Das Leben geht weiter.“ Wie oft hören wir diesen als Trost gemeinten Satz, wenn ein Mensch aus der Familie oder ein anderer nahestehender Angehöriger aus unserer Mitte gerissen wird. Der Tod hinterlässt ein Gefühl der Leere – das Leben ist niemals wieder so, wie es vorher war. Jeder trauert auf seine ganz individuelle Weise, Erwachsene oft völlig anders als jüngere Menschen. Kinder und Jugendliche leugnen oftmals ihre Trauergefühle, um die Mutter oder den Vater nicht noch mehr zu belasten. Diese „Last“ könnte im Osnabrücker Land künftig ins „Trauerland“ verlagert werden . . .

Warum „Trauerland“?

„Während Erwachsene oft über ihre Gefühle, Gedanken und Erfahrungen mit dem Tod sprechen, können oder wollen nicht alle Kinder und Jugendlichen über ihren Trauerprozess sprechen. Viele sind zu jung oder zu unreif, um ihre Gefühle mit passenden Worten auszudrücken“, berichtet Dr. Winfried Hardinghaus, Ärztlicher Direktor des Ostercappelner Krankenhauses St. Raphael.

Manche Kinder versuchten, gut zu „funktionieren, da sie merken, dass die Eltern selbst sehr mit der eigenen Trauer beschäftigt sind“. Für diese unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen bei der Trauerverarbeitung gebe es im Osnabrücker Land bisher keine Anlaufstelle. Mit dem „Trauerland“ solle diese Lücke geschlossen werden.

Umsetzung:

Die Organisatoren und Ideengeber wollen das „Trauerland“ unter dem Dach von „Spes Viva“ (lebendige Hoffnung) einrichten. „Spes Viva“ ist das Palliativ- und Hospizmodell, das seit 1994 am Krankenhaus St. Raphael kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Die „Spes-Viva“-Fördervereinsvorsitzenden Hardinghaus und Reinhold Kassing (Erster Kreisrat des Landkreises) wollen nun dieses vorhandene Gerüst für das „Trauerland“ nutzen – nach dem Vorbild des Zentrums für trauernde Kinder und Jugendliche in Bremen, das nach mittlerweile zehn Jahren fest etabliert ist. (siehe Kasten unten).

Standort/Personal:

Aktuell wird bereits die „Alte Kaplanei“ in Belm umgebaut. Hier sollen die räumlichen Voraussetzungen für Gruppenangebote (Tobe-, Mal-, Bastel- und Kuschelraum) oder auch Einzelberatungen geschaffen werden. Die Angebote sollen sich von den üblichen Therapie- und Beratungsformen unterscheiden, „da ungewöhnliche Situationen auch flexiblere und fantasievolle Reaktionen erfordern“, wie Hardinghaus formuliert.

Für jedes emotionale Empfinden würden somit geeignete „Ventile“ angeboten, „damit die Kinder und Jugendlichen ihre Gefühle auf ihre Art und Weise herauslassen können“. Alle Angebote sollen kostenlos und offen zugänglich sein. Das Fachpersonal vor Ort wird sich aus Pädagogen, Psychologen und geschulten Ehrenamtlichen zusammensetzen.

Finanzierung:

Die erwähnten Angebote und erst einmal der Umbau der „Alten Kaplanei“ kosten natürlich Geld. Als Grundstock gehen Hardinghaus, Kassing und Co. mit 100 000 Euro ins Rennen – eine einmalige Zuwendung eines Spenders, der nicht genannt werden möchte. „Für die zukünftige Etablierung des Angebots sind wir jedoch auf weitere Zuwendungen angewiesen“, stellen die Initiatoren fest. „Dieses können dauerhafte und einmalige Spenden sein, aber auch Einnahmen aus Mitgliedschaften, Schenkungen, Erbschaften oder auch Einnahmen aus Benefizveranstaltungen. Jeder Euro kann da weiterhelfen.“

Das Zentrum in Bremen:


Vorbild für das „Trauerland“ in der Region Osnabrück ist das Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in Bremen. Dort wurde 1999 auf Initiative von Beate Alefeld-Gerges die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland eröffnet. Seit 1999 gibt es eine Kooperation mit dem Doughy Center in Portland – die erste Einrichtung in den USA, die Trauerarbeit mit Kindern sowie deren Familien anbot. Im September 2006 wurde in Oldenburg eine erste Trauergruppe außerhalb Bremens eröffnet. Nach Angaben von Beate Alefeld-Gerges werden zurzeit rund 150 Kinder und deren Familien in ihrer Trauer begleitet.
Das Zentrum freut sich mittlerweile über zahlreiche prominente Botschafter – wie Werder Bremens Fußballtrainer Thomas Schaaf, in dessen Familienkreis und engstem Freundeskreis in den vergangenen Jahren in kurzer Zeit drei Menschen verstorben sind. Unterstützend tätig sind auch die Künstlerin Ina Müller oder die Schauspieler Sabine Postel und Ulrich Pleitgen.

Neue Osnabrücker Zeitung
23. Januar 2010
 
Gemeinde Ostercappeln
http://www.ostercappeln.de
erstellt am 26.01.2010